Die Bautraditionen Asiens zählen zu jenen Bereichen der westlichen Architekturgeschichtsforschung, die bis heute noch nicht in ausreichendem Umfang aufgearbeitet wurden. Trotz einer Anzahl von wissenschaftlichen Dokumentationen bestimmter Regionen fehlt bisher eine weiterführende Diskussion über eine gesamtheitliche Sicht der Baukulturen Asiens, im Besonderen hinsichtlich der Rolle der Architekturtradition Chinas.
In weiten Teilen des Fernen Ostens hatte das Reich der Mitte über Jahrtausende hinweg Politik, Kultur und Architektur geprägt. Es bestand aber auch ein wechselseitiger kultureller Austausch der indigenen chinesischen Traditionen mit jenen der benachbarten Gebiete. Nicht nur Einflüsse von sesshaften und nomadischen Ethnien im Norden - wie beispielsweise die Verbände der Xiongnu und Xianbei, oder die Ethnien der Jurchen und Mongolen - spielten eine wichtige Rolle in der Entwicklung chinesischer Traditionen, sondern auch das in Zentralasien verbreitete künstlerische Vokabular von Kulturen griechisch-romanischer, sassanidischer und indischer Prägung fand einen Weg in die Kultur Chinas.
In der Gegenwart hat China durch seine enorme Bedeutung in der Weltwirtschaft ein weites Feld für experimentelle Architektur eröffnet. Mit den Olympischen Spielen 2008 in Peking ergab sich die Möglichkeit, diese Architektur einer breiten Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Das Symposium "Entlang der Grossen Mauer: Architektur und Identität in China und der Mongolei" soll eine Diskussion über konvergente, übergreifende und divergente Traditionen und Technologien in der Entwicklung der chinesischen Architektur anregen, wobei wechselseitige Beeinflussungen benachbarter Kulturen entlang der Großen Mauer - wie beispielsweise den Mongolen - sowie die Identifizierung der zahlreichen Völker mit ihrem Gebauten besonders zu beachten sind. Eine besondere Rolle spielt auch die Identitätsstiftung durch Baukunst sowie die Zuweisung der Traditionalität bzw. des Typischen.
Im Hinblick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollen folgende thematische Bereiche angesprochen werden: traditionelle Architektur, moderne Architektur und Städtebau, Umgang mit der Erhaltung und dem Wiederaufbau historischer Bauten und Anlagen, Umweltprobleme, kulturelle Identitäten. Die unterschiedlichen Themen sollen unter dem Gesichtspunkt der Wahrnehmung von Architektur bzw. Städetbau durch die betreffende Bevölkerung betrachtet werden.
Eine gesamtheitliche Untersuchung von Architekturtraditionen erfordert die interdisziplinäre Einbeziehung des geschichtlichen, gesellschaftlichen und technologischen Umfelds. Wir laden deshalb Wissenschaftler aller Disziplinen ein, deren Fachgebiete in näherer oder weiterer Beziehung zur Architektur stehen, am Symposium teilzunehmen.
Ein weiteres Ziel des Symposiums ist der Ausbau des Netzwerks, welches einen internationalen und interdisziplinären Austausch von Wissenschaftlern und Forschungsinstitutionen, die sich mit der Thematik ost- und zentralasiatischer Baukultur befassen, erleichtert. Es soll damit eine wissenschaftlich seriöse Diskussion über die architektonische Entwicklung in dieser Region angeregt werden, die nicht nur ein erweitertes Verständnis für die Stellung der Architektur in der Vergangenheit fördert, sondern auch als Grundlagenforschung für zukünftige Planungsvorhaben Bedeutung erlangen könnte.
Mit dem geplanten Vorhaben hoffen wir den Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen zu unterstützen, um zu einem besseren Verständnis der Kulturen Asiens, ihrer Architektur und ihrer Geschichte zu gelangen.

Ziele:
Das Symposium "Entlang der Großen Mauer" soll ein interdisziplinäres Forum für einen transdiziplinären Ideenaustausch auf den Gebieten der Architekturgeschichte und der Asien-Studien eröffnen.
Es sind somit alle Wissenschaftler eingeladen, deren Forschungsbereiche auf den Gebieten der Architektur- und Kulturgeschichte Asiens liegen, wie historischer und politischer Studien, Religion, Kunstgeschichte, Literatur und Anthropologie.

Das Symposium wird in drei Teilen abgehalten:
1) Diskussionsrunden mit Einzelpräsentationen von 20 Minuten Dauer.
2) 20-minütige Diskussionen im Anschluss an jede der Diskussionsrunden
3) Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten:
- Historische Entwicklung
- Architekturtraditionen (urbane und rurale Wohnarchitektur, Sakralarchitektur, Palastarchitektur, Denkmäler)
- Traditionelle und zeitgenössische Bautechniken
- Kunstgeschichte
- Denkmalpflege (Auswahlkriterien und technische Realisierung)
- Zeitgenössische Architektur, Städtebau, Regionalplanung, Infrastruktur
- ökologische Probleme, Umweltprobleme, natürliche Ressourcen
- Sozio-kulturelle Situation (gesellschaftliche Veränderungen, ethnische Durchmischung und Minderheiten)
 


Einladung zum Symposium als pdf-Datei

Anmeldung:
Alle themenverwandten Beiträge werden berücksichtigt.
Wir ersuchen Sie, die beiden folgenden Formulare auszufüllen:
Anmeldung zum Symposium
Abstract von 250-300 Worten in deutscher oder englischer Sprache
 
Senden Sie bitte die ausgefüllten Formulare an folgende E-Mail-Adresse:
erich.lehner@tuwien.ac.at
 
Einsendeschluss für die Abstracts ist der 20. Februar 2009.


Ort des Symposiums: Technische Universität Wien, Österreich
Dauer des Symposiums: 15. - 17. Mai 2009
Konferenzsprachen: Englisch, Deutsch

Für das Symposium wird keine Konferenzgebühr eingehoben.
In Ausnahmefällen können für Teilnehmer aus Asien Reisekostenzuschüsse gewährt werden.
 


Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Ao. Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Erich LEHNER
Professor für Außereuropäische Baukunst
Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13 /251-1
A-1040 Wien /Österreich
E-Mail: erich.lehner@tuwien.ac.at

Dipl.-Ing. Alexandra HARRER, MA East Asian Art
Senior Research Scholar Southeast University, China
Ph.D. Candidate Univ. of Pennsylvania, USA
Tel. : (0086) 13605157704
E-Mail: harrer.alexandra@gmx.net

Dipl.-Ing. Dr. techn. Hildegard SINT
Sozio-kulturelle Aspekte außereuropäischer Bauforschung
c/o Jeanne Stern
20 Rue du Télégraphe
75020 Paris
Tel. : (0033)148054303
E-Mail: Sint.Hildegard@gmx.at