Alinda, Westtürkei: Planen im historischen Kontext

 

 

Ausgehend von den Ergebnissen eines Vorgängerprojekts des Fachgebietes Baugeschichte :: Bauforschung im SS 2011 zur antiken Metropole Alinda (West-Türkei), dem heutigen Karpuzlu, denen eine intime Objekt- und Ortskenntnis entspringt, sollen sich Studierende der Architektur der TU Wien mit den Möglichkeiten und Problemen der Entwicklung einer historisch gewachsenen Ortsstruktur (Orta Mahalle) im direkten Kontakt mit einer archäologischen Verdachtsfläche beschäftigen. In einem Kooperationsprojekt der TU Wien mit Lehrenden und Studierenden des Izmir Institute of Technology werden sie dabei unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema vor dem Hintergrund der Kulturen der beiden Länder kennenlernen.

Alinda ist eine der letzten nicht ergrabenen antiken Städte der Westtürkei. Ihren Charme und herausragenden Reiz inmitten einer lieblichen grünen Landschaft schöpft der Ort gerade aus seinem Zustand der vollständigen Unberührtheit. Monumentale Bauten wie das Aquädukt und das Theater stehen malerisch als gänzlich unrestaurierte Ruinengiganten an einem nur extensiv landwirtschaftlich genutzten Berghang oberhalb der heutigen Ortschaft Karpuzlu.

Berühmte Vergleichsbeispiele in Ephesos oder Milet zeigen wie die den antiken Städten zugehörigen türkischen Ortschaften durch den Andrang jährlich hunderttausender Besucher zur Vollkommenheit überformt und diese Orte durch den Verlust ihrer Natürlichkeit und Eigenständigkeit dem Massentourismus geopfert wurden.

Nach Alinda verirren sich noch heute nur wenige Menschen: Individualtouristen, die hier das Besondere suchen und finden. Karpuzlu – Alinda bietet deshalb perfekte Bedingungen zur Entwicklung zeitgemäßer Tourismuskonzepte, die den Verlust städtischer Identität und die Verdrängung der ansässigen Bevölkerung aus ihren gewachsenen Wohngebieten verhindern sollen. Die Entwicklung eines sanften Tourismus, der eine langsame Entwicklung im Tempo der Einheimischen befördert und den erwirtschafteten Mehrwert in der Region belässt, erfordert eine sensible, den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung und den zukünftigen Gästen angepasste städtebauliche und bauliche Planung. Die neuen, von den Studierenden zu erarbeitenden Konzepte werden deshalb bei den zuständigen Stellen vor Ort mit großem Interesse aufgenommen werden. Die Planung wird eine Untersuchung des dem antiken Ort nahegelegenen Ortsteils Orta Mahalle umfassen und sich auf das sensible Setzen minimaler, gezielter Eingriffe konzentrieren.

Exkursion: „Alinda und Karien“ 17.-24. März 2012

251.673 Großes Entwerfen Konfrontation: Planen im historischen Kontext I

251.105 EX Baukunst 2 (3h).

Verantwortlich für den Inhalt: Univ.Ass. DI Dr. Gerold Eßer

Download der Ankündigung