Architektur und Identität. Die neue Suche nach dem Eigenen

Laufzeit: 2004-2008
Leitung: Andrea Rieger-Jandl
Team: Andrea Rieger-Jandl, Erich Lehner

Kooperationspartner:
Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
Universität Wien Ladakh Ecological Development Group (LEDeG)
Ladakh Gadjah Mada University
Yogyakarta /Indonesien National University of Samoa, Apia /Samoa

Teilfinanzierung: Technische Universität Wien

Die im Zuge der Habilitierung durchgeführte Forschungsarbeit analysiert Architektur als einen Bedeutungsträger, der in den jeweiligen Kulturen unterschiedlich behandelt, konstruiert und interpretiert wird. Die Forschungsarbeit geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der gebauten Form (Architektur) und der menschlichen Selbstwahrnehmung (Identität) gibt. Der Fokus wird daher auf die „expressive“ Rolle der Architektur gelegt und weniger auf die funktionalen, strukturellen oder ästhetischen Aspekte. Der Identitätsbegriff kreist um die Fragestellung, wie sich komplexe soziale Gefüge und Gruppen selbst wahrnehmen und definieren bzw. wie diese Selbstbilder in gebaute Form übertragen werden. Architektur ist ein physischer Ausdruck von Identität. Heute wird der Identitätsbegriff inflationär eingesetzt und durch die Betonung von Differenz marktgerecht aufbereitet. In einer Zeit der andauernden Krisen und immer bizarrer werdenden Kreationen von Identität wird es zunehmend relevant, sich in der gebauten Umwelt mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Architektur drückt aus, wie sich eine Kultur, eine soziale Gruppe, selbst erfährt, sie verkörpert ihre Ideale und die Art, wie diese von anderen aufgenommen werden. Da wir alle in Häusern leben, nehmen wir die identitätsstiftende Bedeutung eines Gebäudes im Alltag kaum bewusst wahr. Aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit und Allgegenwärtigkeit trägt die gebaute Umwelt jedoch unweigerlich zur Formierung menschlicher Subjektivität und kollektiver Identität bei. Dabei sind vor allem Wohn- und Siedlungsformen jene Elemente der materiellen Kultur, die am meisten mit sozio-kulturellen Phänomenen in Wechselwirkung stehen, da sie die räumliche Hülle für menschliche Aktivitäten bilden. Die „neue Suche“ nach dem Eigenen bezieht sich auf rezente Entwicklungstendenzen, in denen massive überlokale Kräfte mit lokalen Identitäten interagieren. Durch überlokale Einflüsse entstehen Identitätskonflikte, die sich unter der Oberfläche ausbreiten und schwer fassbar sind. Die gebaute Umwelt stellt ein Medium dar, solche Prozesse in Form von „Images“ sichtbar zu machen. Die vorliegende Forschungsarbeit zielt darauf ab, diesen Prozess vergleichend zu analysieren (anhand der Feldbeispiele Samoa, Ladakh und Bali), ihn in einen universellen Zusammenhang zu stellen und die Problematik bzw. das zukünftige Potential dieser Tendenzen abzuwägen und zu antizipieren.

Buchpublikation: Der Druck der Habilitationsschrift Architecture and Culture. Building in the Tension of Increasing Global Interaction ist in Vorbereitung