ASSIP – Architecture, Space, and Society in Post-Disaster Built Environments in Indonesia

gefördert als Einzelprojekt durch den FWF Der Wissenschaftsfonds Projektnummer P22898-G17
Projektzeitraum: 2011-2013
Projektleitung: Erich Lehner, Hermann Mückler
Projektmanagement: Ulrike Herbig, Gabriele Weichart
Projektteam: Petra Gruber , Ferenc Zamolyi, Noniawati Telaumbanua,Julian Breuling, Marion Rabelhofer, Jessica Rath, Andreas Aahs, Karl Valent
Kooperationspartner: Intitut de Hautes Ètudes Internationales et du Développement(IHEID);Genève; SwitzerlandGadjah Mada University; Yogyakarta; IndonesiaUniversity of Sumatera Utara ; Medan; Indonesia

Museum Pusaka Nias; Gunungsitoli; Indonesien

Homepage: www.assip.org
Facebook: assip.id

ARCHITEKTUR UND GESELLSCHAFT NACH NATURKATASTROPHEN (ASSIP)

 

Im Forschungsprojekt ASSIP (Architektur und Gesellschaft nach Naturkatastrophen in Indonesien) wird die wechselseitige Beziehung von Architektur und Gesellschaft im Kontext von Rekonstruktionsprogrammen nach Naturkatastrophen untersucht. Der Fokus liegt dabei auf Veränderungen und Wechselbeziehungen zwischen der gebauten Umwelt – Wohnhäusern und Siedlungen – und lokalen soziokulturellen Faktoren. Dabei wird der Einfluss dieser soziokulturellen Faktoren auf die Bürgerbeteiligung an Rekonstruktionsprogrammen untersucht, die wiederum entscheidend für die gesellschaftliche Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Programme ist. Das Ziel ist, auf Grundlage der Forschungsresultate, Konzepte für einen besseren Austausch von Informationen und relevanten Daten über die soziokulturellen und baulichen Hintergründe in Regionen mit einem hohen Katastrophenrisiko zu entwickeln. Dadurch soll eine effizientere Zusammenarbeit zwischen den Menschen, die Hilfe benötigen, Hilfsorganisationen und WissenschafterInnen ermöglicht werden.

Südostasien ist eine von Naturkatastrophen, wie Erdbeben, Tsunami und Vulkanausbrüchen, besonders stark betroffene Region. Das Forschungsprojekt ASSIP wird in zwei Gebieten von Indonesien, auf der Insel Nias (westlich von Sumatra) und der Umgebung der Stadt Yogyakarta in Zentraljava durchgeführt. Zwischen 2004 und 2006 wurden durch einen Tsunami und mehrere Erdbeben in diesen Regionen Tausende von Menschen getötet und viele Gebäude und Siedlungen zerstört oder beschädigt. Auch österreichische Organisationen (z.B. Caritas, Rotes Kreuz) waren an Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen nach diesen und anderen Naturkatastrophen, wie zum Beispiel dem Erdbeben in Haiti Anfang dieses Jahres, beteiligt. Ihrer Erfahrung nach wurden die Durchführung und Ergebnisse solcher Operationen entscheidend beeinflusst von den jeweils spezifischen historischen, kulturellen und sozioökonomischen Verhältnissen in den betroffenen Regionen.

Wie wir in vorangegangenen Forschungen erheben konnten, vermissen Hilfsorganisationen oft den notwendigen schnellen und zuverlässigen Zugang zu relevanten Informationen betreffend die sozialen Gegebenheiten und kulturellen Traditionen in den betroffenen Regionen. Diese Daten sind jedoch für viele Maßnahmen in der Katastrophenhilfe, wie auch für langfristige Wiederaufbauprogramme von großem Nutzen. Hilfsorganisationen stehen unter großem Druck, schnell zu agieren und ihre Strategien und Operationen an die jeweiligen lokalen Bedingungen und Bedürfnisse in unterschiedlichen Weltregionen anzupassen. Ein schneller und leichter Zugang zu substanziellen vielschichtigen Datensätzen wäre daher ein enormer Vorteil, um nachhaltige Fehler zu vermeiden. Unzureichende Kenntnisse des soziokulturellen Hintergrundes oder kulturellen Erbes einer Region kann negative Auswirkungen auf das Interesse der Bevölkerung an der Beteiligung am Wiederaufbauprozess haben. In wie weit die Einbeziehung und Beteiligung der betroffenen Menschen die Entwicklung und Effizienz der Wiederaufbaumaßnahmen nachhaltig beeinflussen, soll in den indonesischen Fallstudien erhoben werden.

Die Grundlagen des Projekts ASSIP werden ausgedehnte und intensive Feldforschungen in Indonesien sein. Zur Dokumentation und Datenaufbereitung wird ein Geografisches Informationssystem (GIS) als Primärwerkzeug für die Forschung adaptiert. Die Auseinandersetzung mit neuesten theoretischen Ansätzen und wissenschaftlichen Debatten zum Verhältnis zwischen Gesellschaft, Architektur und Entwicklung stellen einen weiteren wesentlichen Bestandteil der Forschungsarbeit in ASSIP dar. Durch den Vergleich der beiden Untersuchungsgebiete wird die Bedeutung der lokalen Besonderheiten auf die dynamischen Prozesse der Entwicklung während des Wiederaufbaus dargelegt. Aufbauend auf vorangegangene Studien werden neue und renovierte Gebäude und Siedlungen mit älteren und noch bestehenden Dörfern in den beiden ausgewählten Regionen verglichen. Dies inkludiert eine detaillierte Forschung zu Materialien, technischen und soziokulturellen Bedingungen und Ressourcen, wobei der Rolle und den Motivationen der lokalen AkteurInnen an der Planung und dem Design der gebauten Umwelt besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Das Projekt verfolgt das Ziel, neue Erkenntnisse für die interdisziplinäre wissenschaftliche Zusammenarbeit und die einzelnen involvierten Disziplinen zu schaffen. Darüber hinaus sollen Konzepte entwickelt werden, auf deren Grundlage allgemeine Empfehlungen und Richtlinien für einen effizienten Informationsfluss zwischen Forschern, Hilfs- oder Entwicklungsorganisationen und Betroffenen definiert werden können.

Die Komplexitäten des vorgeschlagenen Projekts und die Verflechtung technischer und soziokultureller Aspekte erfordern eine interdisziplinäre Annäherung. Das Forschungsteam von ASSIP setzt sich aus WissenschaftlerInnen und ForscherInnen verschiedener Disziplinen – Architektur, Geodäsie, Stadtplanung und Sozial/ Kulturanthropologie – zusammen. Die leitenden österreichischen WissenschafterInnen der Technischen Universität und der Universität Wien kooperieren seit Jahren erfolgreich in Forschungsprojekten in Indonesien und anderen Ländern. Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch bereits mit den Projektpartnern in der Schweiz und in Indonesien, die über profunde Kenntnisse der lokalen Bedingungen und Bedürfnisse und über viele Jahre Forschungserfahrung auf ähnlichen Gebieten verfügen. Einige Doktoratsstudierende an den beiden österreichischen Universitäten werden Mitglieder des Forschungsteams sein und gemeinsam mit Studierenden in Indonesien mit der Datenerfassung und Datenaufbereitung betraut sowie intensiv in den Evalutionsprozess involviert sein. Durch die Zusammensetzung des Konsortiums werden sowohl das transnationale, interdisziplinäre Projekt, sowie die einzelnen beteiligten WissenschaftlerInnen und Studierenden profitieren. Das Forschungsteam kombiniert Fachkenntnis mit innovativen Ideen und kultureller Sensibilität, wodurch neues Wissen in einem Bereich generiert werden soll, der über das akademische Interesse hinaus Fragen von großer Dringlichkeit und sozialer Relevanz behandelt.