Bauaufnahme und Baudokumentation der Burg Hochosterwitz in Kärnten

Studie zur Erfassung der Gebäudegeometrie als Grundlage für die baugeschichtliche Bewertung

Laufzeit: März – September 2009
Projekt-Finanzierung: Land Kärnten, Bundesdenkmalamt LK Kärnten, K. Khevenhüller-Metsch

Projekt-Team:

  • Univ.Ass. Dipl.Ing. Dr.techn. Gerold Esser, örtliche Projektleitung
  • Architekt Dipl.Ing. Jan Kanngiesser: 3D-Aufnahme und -Auswertung
  • Dipl.Ing. cand. Mathias Ganspöck: 3D-Aufnahme und -Auswertung

Projektbeschreibung:

Baugeschichte. Die Geschichte der Burg Hochosterwitz in Kärnten lässt sich über Urkunden zurückverfolgen bis in das Jahr 860, als König Ludwig der Deutsche das Land „ad Astarwizam“ dem Erzbischof Adalwin von Salzburg zusammen mit anderen Ländereien schenkt. Die Gegend bleibt unter erzbischöflicher Verfügungsgewalt, bis sie spätestens 1106 mit dem Auftauchen des Zeizolf von Spanheim, des ersten uns bekannten Herrn auf Osterwitz, unter die landesfürstliche Herrschaft der Spanheimer fällt. Eine erste explizite Erwähnung findet die Burg selbst allerdings erst in einer Urkunde des Stiftes Gurk um 1200. Diese wird damals in einer vergleichsweise kleinen Anlage bestanden haben, wird sie doch im Jahre 1388 immer noch als aus einem quadratischen Turm (Berchfrit), an diesen anschließenden Wohnräumen (Palas), einer kleinen Burgkirche (Nikolauskapelle) und Wehrmauern mit Zinnen und Scharten bestehend beschrieben. Nachdem der letzte Schenk von Osterwitz im Jahre 1478 unter kaiserlichem Druck auf die Feste verzichtet, verliert sich die Spur der Herren von Osterwitz. Die Burg fällt an den Landesfürsten zurück und wird in der Folge als Waffenlager genutzt und durch Pfleger verwaltet. Im Jahre 1509 gehen Herrschaft und Burg an den Gurker Bischof, der mit einem ersten Ausbau zur Festung beginnt. Nur wenig später sind es aber bereits die Khevenhüller, die zuerst als Pfandnehmer (1541) und dann als Besitzer (1571) bis vor 1624 der Burg ihr heutiges Aussehen geben. Die Burg Hochosterwitz gilt mit ihren in den Siebziger- und Achtzigerjahren des 16. Jahrhunderts errichteten vierzehn manieristischen Burgtoren und der zum Renaissanceschloss erweiterten großen Hochburg auf ihrem frei stehenden, weithin sichtbaren Felskegel im Gurktal als Wahrzeichen Kärntens.

Bauaufnahme. Die Burg muss derzeit als weitgehend undokumentiert angesehen werden, da sich die bis dato letzte Aufnahme von Paul Grueber aus dem Jahre 1925 schwerpunktmäßig mit einer genauen Erfassung und Analyse des im Zentrum kunsthistorischer Betrachtungen stehenden Burgweges und der vierzehn Burgtore auseinandersetzte. Aus Anlass und in Vorbereitung anstehender Umbauten im Zuge einer kommenden Kärntner Landesausstellung soll diesem Missstand abgeholfen werden. Ziel des Projekts ist die vollständige geometrische Erfassung aller Gebäudeteile der Hochburg einschließlich der Zwingermauern und die Vorbereitung von Plangrundlagen für Baumaßnahmen und für die historische Erforschung der gerade in ihren älteren Teilen noch immer nur unzureichend dechiffrierten Anlage. Im Zuge der Vor-Ort-Aufnahmen wurden in nur fünf Tagen sämtliche Raumflächen des bearbeiteten Areals mittels eines 3D-Image-Laserscanners erfasst und die Aufnahmedaten für die weitere Auswertung vorbereitet. Damit steht nunmehr ein Geometrie und Echtfarben vereinender Datensatz – ein mit einer hoch auflösenden Textur versehenes 3D-Modell bestehend aus rund 520 Mio. Geometriepunkten – der Hochburg zur Verfügung, das bereits als ein hochpräzises Abbild des Denkmals bezeichnet werden kann. Durch die zeichnerische Weiterverarbeitung der 3D-Daten zu herkömmlichen Bauwerksgrundrissen und Vertikalschnitten werden darüber hinaus erstmals alle räumlichen Bezüge der in unterschiedlichen Zeiten entstandenen Bauteile zueinander präzise erfasst und damit in ihrer Relation zueinander konkret nachvollziehbar.

Eine erste Darstellung des innovativen Vorgehens bei der Erfassung und Auswertung der Burganlage ist für den „Tag des offenen Denkmals“ am 27. September 2009 als Vortrag und Führung in Hochosterwitz angesetzt.