Theater Ephesos

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Einstmals das größte antike Theater Kleinasiens stellt die Ruine des Theaters von Ephesos eines der wichtigsten Monumente in der Theaterforschung dar. Obwohl seine Freilegung und wissenschaftliche Erschließung seit dem Ende des 19.Jh. sukzessive durchgeführt wurde, muss es in seinem Gesamtbestand immer noch als zum Großteil unerforscht gelten, da sich bisherige bauliche Untersuchungen fast ausschließlich auf wenige, für sich betrachtete, Teilbereiche wie Bühnengebäude oder Orchestra bezogen. Jedoch auch der dreirangige Stufenbau für die Zuschauer als raumbildender Teil des Theaters – im Durchmesser 148m breit mit 60 ansteigenden Sitzreihen – ist ein wichtiges Zeugnis zur Erforschung der Anlage.

Diesem Umstand Rechnung tragend wird innerhalb des seit 2003 bestehenden Kooperationsprojektes mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) in jährlichen Bauforschungskampagnen der Zuschauerraum in seiner Gesamtheit erfasst, d.h. inklusive aller Zugängen, Substruktionen und Fassaden. Dabei ermöglicht das vom Fachgebiet mitgegründete TUW-ILScan Center of Competence den Einsatz von Lasermessgeräten wie dem terrestrischen 3D-Image-Scanner LMS Z420i (Fa. Riegl) für die Architekturvermessung. Außerdem kommt der motorisierte Tachymeter TCRM (Fa. Leica) mit der Zusatzsoftware TOTAL (AG Geodäsie) zum Einsatz.

Einhergehend mit der Anwendung der Lasermesstechnik wurde eine Aufmaßmethodik entwickelt, in der das digitale Messgerüst die Grundlage für die Anfertigung formtreuer, steingerechter Handzeichnungen der Bauforscher bildet.

Auf Basis der bisher gewonnenen Daten und mit dem Ziel, das Theatergebäude von Ephesos in seiner architektonischen Gesamtheit mit den Methoden der Bauforschung zu entschlüsseln, wurde das Forschungsprojekt „Die Baugeschichte des Theaters von Ephesos“ formuliert und am Fachgebiet Baugeschichte und Bauforschung der TU Wien angesiedelt.

Antike Theater und ihre baulichen Verwandten sind Bautypen des Altertums, die heute häufig in ihrer ursprünglichen Funktion als Veranstaltungsort genutzt werden sollen. Das Theater von Ephesos ist ein Beispiel für den daraus resultierenden schwierigen Balanceakt zwischen so gegensätzlichen Interessen wie der denkmalpflegerischen Verantwortung für das antike Monument und den Bedürfnissen moderner Aufführungspraxis. Vor diesem Hintergrund wurde im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und in Zusammenarbeit mit dem ÖAI im Herbst 2005 eine Projektstudie erarbeitet, die Möglichkeiten sowie notwendige bauliche und denkmalpflegerische Maßnahmen für eine Nutzung des Monumentes als Veranstaltungsort nach Maßgabe internationaler Deklarationen wie der Charta di Siracusa untersucht. Nach weiterführender Ausarbeitung des Nutzungskonzeptes wird gegenwärtig die Umsetzung erster baukonsolidierender Maßnahmen vorbereitet.

Kontakt: hannaliebich@gmx.de und gudrun.styhler+e251@tuwien.ac.at

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