Die Großglockner Hochalpenstraße –UNESCO Welterbe als Alpine Scenic Road?

Projektzeitraum: seit 2008
Forschungsleitung: Ao. Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Caroline JÄGER-KLEIN, TU-Wien, Architekturgeschichte
Assoziiert: Ao. Univ. Prof. Dr. Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER, TU-Wien, Kunstgeschichte
Projektpartner: Großglockner-Hochalpenstraßen AG Salzburg, Worldheritage in situ
Projektfinanzierung Eigenprojekt
Forschungsgeleitete Lehre: Verknüpfte Lehrveranstaltungen: Wahlseminar Architekturgeschichte, Wahlseminar Kunstgeschichte, Seminar zur Architekturhistorischen Praxis, Vertiefungsseminar, Privatissimum für Diplomanden

Projektinhalt:

Im Zuge der Nachlassaufarbeitungen zu österreichischen Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie der Forschungen über die Architektur der Klosterneuburger Strandbäder und Wochenendkolonien ergaben sich mehrere Hinweise auf das Staatsprojekt Großglocknerstraße, das den zunehmend arbeitslosen Architekten dieser Generation in Form des Wettbewerbes für das Gedenkmal am Fuscherthörl sowie einigen großen Hotelprojekten an der Hochalpenstraße Arbeit versprach. Von Georg Rigele ist zwar das Straßenprojekt selbst historisch aufgearbeitet und 1998 veröffentlicht worden, nicht aber die Architektur der Hochbauten entlang der Straße. Auch die unzähligen Publikationen des Planers und Propagandisten der Großglocknerhochalpenstraße Franz WALLACK, eines Absolventen der Technischen Hochschule Wien, befassen sich ausschließlich mit dem Tiefbau des Projektes. Begeistert von originalen Schauzeichnungen aus dem Archiv der Großglocknerhochalpenstraßen-AG (GROHAG) in Salzburg, die derzeit im Salzburg Museum ausgestellt sind, nahm Jäger-Klein Ende 2008 Kontakt mit diesem Firmenarchiv auf, um die systematische Aufarbeitung der architekturhistorisch höchst wertvollen Originale mithilfe der Studierenden der Technischen Universität Wien vorzuschlagen.

Durch die systematische Aufarbeiten des Archivmaterials zwischen Mai und Dezember 2009 konnten verschiedene Forschungsfragen definiert und im Anschluss in zehn Bachelorarbeiten an der TU-Wien unter Anleitung von Jäger-Klein und Plakolm-Forsthuber verarbeitet werden:

01 Markus GESIERICH, Franz Wallack und die Großglockner-Hochalpenstraße
02 Alexander KAGER, Die Großglockner-Hochalpenstraße und die Wiener Höhenstraße im Vergleich
03 Rita MULLEN, Die technische Seite der Großglockner-Hochalpenstraße: Die Geschichte des Baus und technische Errungenschaften in Bezug auf die Großglockner-Hochalpenstraße
04 Marvin MÜHLBERGER, Die Arbeiterunterkünfte während des Baues der Großglockner-Hochalpenstraße und die Kawafag als ausführende Holzfertigteilfirma
05 Sabine RIBISCH, Der Wettbewerb für das Gedenkmal am Fuschertörl – von der Idee zur Verwirklichung
06 Helene SCHAUER, Die Darstellung der Großglockner-Hochalpenstraße auf den Weltausstellungen 1935, 1937 und auf der Wiener Messe 1935
07 Rebecca BREMER, Hotelprojekte an der Großglockner-Hochalpenstraße von Hermann Stiegholzer und Otto Prutscher
08 Ines PORENTA, Das letzte „moderne“ Hotelprojekt von Wilhelm Wohlmeyer an der Großglockner-Hochalpenstraße
09 Klemens HAIDL, Hotel auf der Franz-Josefs-Höhe und Raststation Freiwandeck nach einem Entwurf von Bruno Biehler
10 Theresa FUCHS, Die Infrastruktur an der Großglockner-Hochalpenstraße wie Raststätten, Tankstellen, Stützpunkte für Aufsicht und Technisches Gerät

Mittlerweile sind preisgekrönte Diplom-Masterarbeiten an der TU-Wien entstanden, die ihren Autoren die Stelle von Universitätsassistenten am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege der TU-Wien einbrachten:

2012 konnte Thomas MITTERECKER unter Betreuung von Jäger-Klein erste Teilerkenntnisse aus dieser Archivforschung zu seiner Diplomarbeit „Großglockner Hochalpenstraße: Ausstellungsbau im Österreichischen Ständestaat“ ausbauen. Die Diplomarbeit wurde im Zuge der Archdiploma 2013 als eine der besten Diplomarbeiten der Architekturfakultät ausgestellt: „Ziel der Arbeit war eine genauere Untersuchung des Bezuges der Großglockner Hochalpenstraße zum Identitätsbild des österreichischen Ständestaates und ihre Auswirkungen auf dessen Präsentationsweise vor internationalem Publikum“ (Mitterecker). Aus architekturhistorischer Sicht besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Architektur der österreichischen Pavillons auf den Weltausstellungen in Brüssel 1935 und Paris 1937, die von Oswald Haerdtl (1899-1959) konzipiert wurden. Der international bestätigte Erfolg der beiden Pavillons bestand in der Darstellung der Großglockner Hochalpenstraße durch eine neuartige, großformatige Panoramentechnik. Die technischen Zeichnungen der Unterkonstruktionen für die Panoramen sowie die Anordnungen der einzelnen Dioramen konnten durch die Archivforschungen und die daraus resultierende Diplomarbeit geklärt werden.

Im Jänner 2016 vollendete Markus GESIERICH eine weitere Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien zum Thema „Das Alpenhotel an der Großglockner Hochalpenstraße“. Diese Arbeit beweist, dass Franz Wallack von Anfang an und als wesentlichen Projektbestandteil die Errichtung von Hotelanlagen entlang der Hochgebirgsstraße vorschlug. Gesierich konnte aus den Archivunterlagen der Technischen Universität Wien die ersten Planungen für das Straßenprojekt von 1924-25 rekonstruieren. Nach einer Studienreise durch die Alpen erstellt Wallack ein ausgeprägtes Bauprogramm für Alpenhotels an mehreren Standorten der Straße: „Seine Richtlinien für die Anlagen basieren auf umfassenden Recherchen und sind, als Teil eines wirtschaftlichen und touristischen Konzeptes, wesentlich von einem multidisziplinären Gestaltungsansatz und dem Willen, ein einheitliches Gesamtbild entlang der 48 km langen Straße zu erreichen, geprägt. Hinsichtlich moderner Ausstattung und sowohl technischem als auch ästhetischem Anspruch, besonders aber durch die Integration von Alpenhotels in den Planungsprozess der eigentlichen Straße, stellte Wallacks Planung samt Ausgestaltung der Großglockner Hochalpenstraße europaweit etwas völlig Neues dar“ (Gesierich).

In den noch größeren Zusammenhang von Natur und Technik gestellt wurde die Großglockner Hochalpenstraße als permanenter Weltausstellungsbeitrag Österreichs von Jäger-Klein für die von Johannes HÖRL und Dietmar SCHÖNDORFER herausgegebene und bei Böhlau 2015 verlegte Monografie „Die Großglockner Hochalpenstraße. Erbe und Auftrag“ (ISBN: 978-3-205-79688-6). Die Publikation erschien anlässlich der Expo 2015 in Mailand, die erneut einen starken Bezug zur Großglockner-Hochalpenstraße aufwies. Im selben Sommer wurde die Bergstraße als erste Straße Österreichs durch das Bundesdenkmalamtes unter nationalen Denkmalschutz gestellt.

Gesierich, Mitterecker und Jäger-Klein, alle Mitglieder des österreichischen Nationalkomitees von ICOMOS (International Council on Monuments and Sites, beratendes Expertengremium der UNESCO in Welterbeangelegenheiten), fungieren derzeit als Konsulenten für die Formulierung des Antrag bei der UNESCO, die Großglockner Hochalpenstraße als „Alpine Scenic Road“ in die erlesene Liste des Welterbes der Menschheit aufzunehmen.

Die Großglockner Hochalpenstraßen AG finanziert mittlerweile eine Schriftenreihe im kpv-Verlag, um derartig herausragende und thematisch affine Diplomarbeiten jährlich zu publizieren. Als erster Band ist im Dezember 2016 von Markus GESIERICH „Hotels an der Großglockner Hochalpenstraße – Franz Wallack und das ideale Alpenhotel“ (ISBN 978-3-903015-07-4). Als nächster Band ist ebenfalls eine von Jäger-Klein betreute Diplomarbeit an der TU-Wien in Druckvorbereitung: Gabriel KERSCHBAUMER, „Die Entwicklungsgeschichte hochalpiner Architektur in Form von Schutzhütten“ hieß die im Oktober 2015 abgeschlossene Arbeit.

Entwurf für ein Bergheim am Großglockner, GROHAG Hotel Wohlmeier
Der Planer der Großglockner Hochalpenstrasse Franz Wallack Bau des Fuscherthörldenkmals Denkmal am Fuscherthörl
Hotel auf der Franz Josefs Höhe Hotel auf der Franz Josefs Höhe, Entwurf Heinz Rollig