Entwicklungsphasen vernakulärer Architektur: Flores, Indonesien

Gefördert durch ein DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Projektzeitraum: 2011-2013
Projektteam: Irene Doubrawa (Projektleitung)
Partnerinstitutionen: Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege –
Abteilung 251-1, Wien

Das Forschungsprojekt Entwicklungsphasen vernakulärer Architektur: Flores, Indonesien untersucht die Vielfalt vernakulärer Architekturformen auf der ostindonesischen Insel Flores. Aus architektonischer Sicht wurde dieser Insel bisher kaum Beachtung geschenkt, jedoch wirft die große Anzahl unterschiedlicher architektonischer Ansätze die Frage nach deren Herkunft, Entwicklung und Zusammenhang mit den Bevölkerungsgruppen der Insel auf. Veränderte gesellschaftliche und technische Rahmenbedingungen resultieren in einem rapiden Wandel vernakulärer Bauformen und zugleich im Verschwinden vieler Strukturen, welche als traditionell angesehen werden. Das Ziel des Forschungsprojektes ist, die Faktoren, welche für die Entwicklung der unterschiedlichen Architekturformen relevant sind, zu isolieren und ihre Rolle in der Bildung von „Tradition“ zu bestimmen. Auf diese Weise können die komplexen Prozesse der Entwicklung vernakulärer Architektur dargestellt und das Potential einzelner Gebäudeformen für zukünftige Nutzungen ermittelt werden.

Eine umfassende Dokumentation der Architekturformen auf Flores bildet die Grundlage für die weitere Forschung. Da architektonische Studien von Flores bisher nur in Ansätzen und äußerst punktuell erstellt wurden, werden im Rahmen von zwei Feldstudien ausführliche Daten erhoben. Des Weiteren stellt die Sammlung von bisher nicht aufgearbeitetem Archivmaterial einen wichtigen Aspekt des Forschungsprojektes dar. Hier stehen vor allem Archive in Holland, der ehemaligen Kolonialmacht Indonesiens, und im deutschsprachigen Raum, dem Ausbildungsort der katholischen Missionare auf Flores, im Mittelpunkt. Auf diese Weise ist eine umfangreiche Aufarbeitung der Entwicklung der Architektur bis zum heutigen Zustand möglich. Diese historische Aufarbeitung sowie die Dokumentation des momentanen Entwicklungsstandes stellen auch in Zukunft eine Quelle für die heimische Bevölkerung dar, sollte es im Rahmen der derzeitigen „Verwestlichung“ zu einem Kulturverlust kommen, oder bereits gekommen sein. Die Untersuchung der Architekturformen, welche in Hinblick auf die vorherrschenden klimatischen, seismischen, kulturellen und sozialen Umstände beständig optimiert wurden, kann jedoch nicht nur der lokalen Bevölkerung zu neuer Wertschätzung für Ihre eigene Architektur verhelfen, sondern auch für Außenstehende interessante Erkenntnisse über das Bauen unter tropischen Rahmenbedingungen in Gegenden mit hoher Erdbebenwahrscheinlichkeit liefern.

Mit der architektonischen Entwicklung im Fokus berührt das Forschungsprojekt in vielerlei Hinsicht auch andere Fachgebiete. Der Prozess der Besiedelung und Verbreitung von Kultur in Ostindonesien ist bis heute nicht vollständig geklärt und ihn zu verstehen wird nur durch eine Kombination von Erkenntnissen aus vielen Fachgebieten möglich sein. Im Rahmen des Forschungsprojektes werden die Erkenntnisse und Theorien anderer Forschungsbereiche unter Betrachtung der Architektur untersucht. Gleichzeitig kann die architektonische Entwicklung Hinweise auf kulturelle Verwandtschaften mit anderen Bevölkerungsgruppen werfen. Mögliche architektonische Beziehungen werden somit auch über die Grenzen der Insel Flores hinaus thematisiert. Dieser vergleichende Ansatz ermöglicht die Positionierung der Erkenntnisse über lokale Architekturformen in einem großen Umfeld und stellt somit zugleich einen Ausgangspunkt für weiterführende Forschung unterschiedlicher Fachgebiete dar.

Funded through a DOC-grant by the Austrian Academy of Sciences.
Project duration: 2011-2013
Project team: Irene Doubrawa (project leader)
Partner institutions: Department for History of Architecture and Building Archaeology, Vienna

The research project Development Stages of Vernacular Architecture: Flores, Indonesia focuses on the diversity of vernacular architectural types on the Eastern Indonesian island Flores. The great number of different architectural approaches raises the question of their origin, development and connection with the population of the island. Nevertheless the architecture on this island has so far hardly been studied. Recently modified social and technical conditions result in rapidly changing vernacular types and many structures regarded as traditional have already disappeared. This research project aims at the analysis of individual parameters, which are relevant for the development of different architectural types. Their role in the creation of “tradition” will be examined. Thus the complex processes of the development of vernacular architecture can be shown and the individual building’s potential for future utilization can be determined.

The foundation for continuative research is laid by comprehensive documentation of architectural types on Flores. As architectural studies on Flores have so far only been conducted rudimentarily and selectively, extensive data will be collected during two field studies. In addition archived material that has not or hardly been considered so far will be collected and processed. In this context the most important archives can firstly be found in the German-speaking area of Europe, which to this day is the origin or training place of many catholic missionaries working in Flores and secondly in Holland, as Indonesia’s history includes several hundred years of Dutch colonial rule. Through the archived material it will be possible to illustrate the development of Flores architecture up to the present-day state. This processing of the history of architectural development and the documentation of its present-day state will be a future source for the local people, if western influences lead, or have already lead, to a loss of culture. Studying architecture that has constantly been optimized to fit the prevailing climate, seismic situation, culture and social circumstances can provide us with interesting knowledge about building in tropic environments with high earthquake risks, but it can also help the local people to revalue their own architecture.

Focussing on architectural development this research project also crosses the borders to a number of different fields of research. The process of settling and spreading culture in Eastern Indonesia has to this day not been fully investigated and it will only be possible to gain a deeper understanding for this process by combining research results from different fields. In the context of this research project theories and results from other research fields will be analyzed within the scope of architecture. Additionally the studying of architectural development can reveal cultural relations with other tribes or peoples. Thus possible architectural relations beyond the borders of the island of Flores will also be examined. This comparative approach enables the positioning of results about local architectural types within a wider field and can provide the starting point for further research in different fields.