Experimenteller Lehmbau im Waldökozentrum Sopron II

Projektzeitraum: seit 2013
Projektleitung: Andrea Rieger-Jandl
Projektfinanzierung TU Wien, verschiedene Sponsoren (Wienerberger, Geographics)
Projektteam: Andrea Rieger-Jandl,Ferenc Zamolyi, Nicole Zimmermann, Christoph Lachberger, David Kraler, Denise Kiessling, Aaron Merdinger
Projektpartner: Waldökozentrum Sopron
Video: Lehmbauworkshop
Facebook: Earthlodge

Projektinhalt:

Seit dem Sommersemester 2013 finden am Gelände des Waldökozentrums am Stadtrand von Sopron/HU jährlich experimentelle Lehmbau-Workshops mit ArchitekturstudentInnen der TU Wien statt. Ziel ist es einerseits, den Studierenden die verschiedenen Lehmbautechniken in praktischer Form nahe zu bringen, andererseits durch das Experimentieren mit dem Material neue Erkenntnisse über das Verhalten des Baustoffes Lehm unter definierten Bedingungen zu erhalten.

Aufgrund seiner positiven Energiebilanz und der ausgezeichneten ökologischen Eigenschaften hat Lehm als Baustoff seit den 1990er Jahren neue Aufmerksamkeit erfahren. Die Ausbildungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet sind nach wie vor beschränkt und es ist von zentraler Bedeutung, den Lehmbau sowohl in theoretischer als auch praktischer Hinsicht im Lehrplan der Architekturfakultäten zu verankern bzw. Möglichkeiten für experimentelle Forschungstätigkeiten zu schaffen.

Lehm verfügt, je nach Entnahmestelle, über sehr unterschiedliche Eigenschaften und ist daher als Baustoff nur eingeschränkt normierbar (es sei denn es handelt sich um spezielle, im Handel erhältliche Zusammensetzungen). Selbst wenn der Lehm auf seine Eigenschaften hin analysiert wird, sind die gewonnenen Laborwerte für die praktische Anwendung nur bedingt von Nutzen. Vor Ort entnommener Lehm kann in erster Linie durch Erfahrung bzw. durch einen experimentellen Zugang mittels der Herstellung verschiedener Probekörper zu optimiertem Baulehm aufbereitet werden.

Diese Erfahrungen, die nicht zuletzt auch in weiten Teilen Österreichs noch bis ins ausgehende 19. Jahrhundert weit verbreitet waren, sind über das 20. Jahrhundert hinweg verloren gegangen. Da es kaum schriftliche Aufzeichnungen über historische Lehmbauweisen gibt, gilt es, sich diese Erfahrungen neu anzueignen. Lehmbau-ExpertInnen werden nicht nur für die Erhaltung des noch beträchtlichen historischen Lehmbau-Bestandes in Europa und in Österreich in Zukunft gefragt sein, auch in der Entwicklung neuer ökologische Baustoffe gewinnt Lehm zunehmend an Bedeutung.

Ein experimenteller Zugang ermöglicht es, Erfahrungen in folgenden Bereichen zu sammeln:

  • Bestimmung und Kategorisierung unterschiedlicher Lehme
  • Experimentieren mit Zuschlägen (z. B. Stroh, Kalk, Wasserglas, Kasein, Leinöl, Dung etc.) und deren Auswirkungen auf Druckfestigkeit, Bindekraft, Abriebfestigkeit und Feuchtigkeitsresistenz
  • Erkenntnisse über Vor- und Nachteile diverser Lehmbautechniken: Stampflehm, Wellerlehm, Lehmziegel, Lehmbatzen (österr. Lehmwuzel), versch. Leichtlehme, Wickelstaken, Geflecht mit Lehmbewurf, Lehmputze etc.

Die verschiedenen Bauweisen werden über einen längeren Zeitraum hinweg analysiert und beobachtet, um neue Erkenntnisse über Belastbarkeit, Haltbarkeit, Witterungsbeständigkeit etc. des Materials im Zusammenhang mit den diversen Bautechniken gewinnen zu können.

Im Zuge der Workshops wurde am Gelände des Waldökozentrums in Sopron eine Lehmbauausstellung eingerichtet, in der verschiedene Lehmbauteile ausgestellt und auf Hinweisschildern die Zusammensetzungen und Techniken erklärt werden. Eine Sitzskulptur aus 3 verschiedenen Massivlehmbautechniken fungiert als Tribüne für den vorgelagerten Fußballplatz und als beliebter Aufenthaltsort für Jugendliche. Dadurch kann bei der örtlichen Bevölkerung sowie den Besuchern des Waldökozentrums ein Bewusstsein für den Wert des eigenen baukulturellen Erbes und die traditionellen Lehmbautechniken vor Ort sowie die zeitgemäßen Einsatzmöglichkeiten dieses Material geschaffen werden.

Die Erfahrungen aus den Workshops konnten bereits in weiterführende Forschungen (WTZ-Projekte, `Down to Earth´ EU-Einreichung) sowie daraus hervorgegangene Masterarbeiten und Dissertationen einfließen. Den Studierenden wird durch die Workshops die Möglichkeit geboten, eigene Forschungsarbeiten praktisch zu untermauern bzw. theoretische Ansätze durch einen experimentellen Zugang zu überprüfen.

Verschiedene Lehmbautechniken
Das Team bei der Arbeit