Konzept

Architektur steht in permanenter Wechselwirkung mit ihrem soziokulturellen und technologischen Umfeld. Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die während des Studiums erworben werden, können in der zukünftigen architektonischen Praxis jedoch nur dann eingesetzt werden, wenn es gelingt, auf veränderte Bedingungen des Umfelds von Gesellschaft und Technik adäquat und vorausschauend zu reagieren. Dieses Re-Agieren kann nicht allein auf der Analyse der gegenwärtigen Situation basieren, sondern muss im Kontext einer gesamtheitlichen Betrachtung der Vielfalt des Baugeschehens verschiedener Zeiten und Architekturtraditionen diskutiert werden.

Die Studierenden werden auf die Variabilität der Faktoren Gesellschaft und Technologie vorbereitet, indem sie mit verschiedenen Szenarien der Vergangenheit und Gegenwart sowohl der eigenen wie  auch fremder Kulturen konfrontiert werden. Analytische Betrachtungen werden dabei auf mehreren Ebenen geführt mit dem Ziel, ein Verständnis für die Zusammenhänge von Ideen und Konzepten in der Architektur innerhalb ihres spezifischen Umfeldes zu entwickeln. Die Kenntnis evolutionärer Zusammenhänge der Vergangenheit sollte auch Aussagen über den Grad der Nachhaltigkeit zukünftiger architektonischer Lösungen zulassen. Das Konzept der Abteilung fordert, den Studierenden nicht nur die theoretischen  Aspekte der Baugeschichte zu vermitteln, sondern auch ihre Bedeutung als architektonische und städtebauliche Ideengeschichte. Die Auseinandersetzung mit historischen Bauten und ihrem Kontext ist bei geplanten Veränderungen bestehender Bausubstanz Voraussetzung, bietet aber gleichzeitig ein positives Potential für eigene Entwurfsideen. Spezifische Lösungen innerhalb der gebauten Umwelt sollen das Ziel kritischer Diskussion sein, in der je nach Bauaufgabe Kriterien wie Aktualität, Nutzungsqualitäten, gestalterische Kohärenz usw. hinterfragt und bewertet werden können.

Einen unmittelbaren Zugang zu den Problemen und Möglichkeiten im Umgang mit historischen Bauten bzw. gewachsenen architektonischen Strukturen bietet den Studierenden die Bauforschung und mit ihr die Bauaufnahme. Dadurch wird direkte Erfahrung von Architektur am Objekt selbst gefördert und auch die umgesetzte Ideengeschichte konkret veranschaulicht – „Begreifen“ im wörtlichen Sinn.

Schwerpunkte in Lehre und Forschung:

Die Arbeitsbereiche der Mitglieder der Abteilung umfassen die Architekturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart im europäischen und außereuropäischen Raum. Dies schlägt sich nicht nur in der breit gefächerten Lehre, sondern auch in einer großen Zahl unterschiedlicher Forschungsprojekte und Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen auf internationaler Ebene nieder. Im Rahmen dieser Forschungsprojekte wird auch Studierenden die Möglichkeit zur Teilnahme geboten, die somit einen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten in Literaturrecherche und Feldforschung bis zu Auswertung und Veröffentlichung der Arbeiten gewinnen können.

Eine detaillierte Übersicht der Forschungsprojekte bietet die Website http://baugeschichte.tuwien.ac.at/site/forschung/.

Europäische und außereuropäische Architekturgeschichte

  • Architektur als kulturelles Erbe
  • Architektur als Ausdruck politischer Tendenzen
  • Architektur und Identität

In den Lehrveranstaltungen steht die Vielfalt der Betrachtungsweisen im Vordergrund, weit hinausführend über einen historisch-chronologischen Abriss. Auf Exkursionen wird der direkte Kontakt zu verschiedenen Baukulturen hergestellt und somit der theoretische Diskurs in der Praxis unmittelbar fassbar gemacht.

Historische Bauforschung

  • Bauforschung als praktisch erfahrbare Geschichte des Bauens
  • Bauforschung im Vorfeld von Denkmalpflege und Bausanierung
  • Innovative Aufnahmetechniken und objektorientiertes Post-Processing im Arbeitsfeld Bauforschung

Historische Bauforschung bietet den Studierenden einen unmittelbaren Zugang zu den Möglichkeiten im Umgang mit historischen Bauten. Die Bauwerke werden einerseits maßlich, andererseits in all ihren materiellen und ideengeschichtlichen Ausprägungen aufgenommen und dokumentiert. Die am Bau direkt vorgenommene Reflexion von Aspekten wie Konstruktion, Bautechnik, Baumaterialien, Gestaltungsprinzipien, Bautypologien, städtebauliche Einordnung und funktionelle Zusammenhänge erlaubt den nötigen Erkenntnisgewinn über Gesamtzusammenhänge und Wirkmechanismen im baulichen Schaffen, um einerseits die wissenschaftlich Auswertung durchführen zu können, andererseits ein lösungsorientiertes und bestandskonformes Arbeiten im Bereich der Denkmalpflege und Bausanierung zu garantieren.

Planen im historischen Kontext

  • Transdisziplinäre Objekt- und Ortsanalyse
  • Formulierung von Zielen, Konzepten und Umsetzungsstrategien
  • Consulting bei Sanierungs- und Restaurierungsvorhaben

In Seminaren und Entwurfsübungen werden durch eine diskursive Auseinandersetzung mit dem historischen Gebäudebestand und seiner Bau- und Nutzungsgeschichte die Kritikfähigkeit gegenüber gegenwärtigen und zukünftigen Fragestellungen in der Architektur gesteigert und damit Impulse für das individuelle architektonische Schaffen gegeben. In einem ortsspezi?schen Kontext soll in dieser Weise den Studierenden die Möglichkeit eröffnet werden, Ideen und Konzepte, die aus der Vergangenheit wie der Gegenwart unterschiedlicher Kulturen stammen, weiterzuentwickeln und in eine zeitgemäße Architekturhaltung zu integrieren.