Moral in der ästhetischen Gestaltung: Vitruvius und Winckelmann in China

Veranstaltungsbild
  • Zeit: 19.01.2017, 19:00 bis 20:00
  • Ort: Technische Universität Wien, Hörsaal 7 - Schütte-Lihotzky Hörsaal, 1040 Wien, Karlsplatz 13, Stiege VII, Erdgeschoß

Dr. Alexandra Harrer
Tsinghua Universität. Beijing / China

Moral in der ästhetischen Gestaltung: Vitruvius und Winckelmann in China

Chinesische Architektur ist ein faszinierendes Konstrukt aus Gedanken, tief verwurzelt in ethischen und moralischen Werten, die das Wesentliche in der Vielfalt der Einzeldinge widerspiegeln, und das seit mehr als 2500 Jahren.

Der Vortrag sieht hinter die Kulisse der gebauten Technikgeschichte (die in dem ausgeklügelten Holzbaubaukastensystem aus kleinteiligen modularen Elementen gipfelt) und geht auf humorvolle Weise, und mit einer Vielzahl von Zitaten und Bildern, der Frage auf den Grund, warum der chinesische Kaiser – Sohn des Himmels und Herrscher über ein gigantisches Reich – lieber in einem bescheidenen Vierkanthof als in einem prachtvollen Palast gewohnt hat, zumindest in der Theorie.

Der Vergleich mit Vitruvius und Winckelmann ist allegorisch gemeint. Auch in China existieren drei Grundsätze ähnlich der Vitruvianischen firmitas (Festigkeit), utilitas (Nützlichkeit), und venustas (Schönheit) für die Beurteilung der fertigen Architektur- und Raumgestaltung, und im Sinne Winckelmann’s bestimmt eine „edle Einfachheit“ (a la Konfuzius, 551-479 v. Chr.) und „stille Größe“ (in Form vom dazhuang [des Grossen Macht] Hexagramm) das architektonische Entwerfen.