{"id":3261,"date":"2019-11-19T11:50:00","date_gmt":"2019-11-19T10:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/baugeschichte.tuwien.ac.at\/website\/?p=3261"},"modified":"2023-04-05T13:07:12","modified_gmt":"2023-04-05T11:07:12","slug":"tradition-und-transformation-moscheen-im-wandel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/baugeschichte.tuwien.ac.at\/website\/tradition-und-transformation-moscheen-im-wandel\/","title":{"rendered":"Tradition und Transformation <br> Moscheen im Wandel"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie haben die Sakralbauten des Islam &#8211; Geba\u0308ude, deren Name \u201cMoschee\u201d im Arabischen schlicht \u201eOrt des Niederwerfens\u201c bedeutet &#8211; auszusehen? Diese zentrale Frage stellte sich bereits bei der Etablierung der Religion, nun gewinnt sie im Zeitalter der kulturellen Globalisierung nicht nur wieder zunehmend an Bedeutung, sondern fu\u0308hrt gleichzeitig zu komplex angelegten Diskussionen. <\/h2>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Die Auseinandersetzung sowohl mit der \u201csakralen\u201d architektonischen Form als auch mit den Konsequenzen, die die neuen Moscheen als Assoziationstr\u00e4ger mit sich bringen, ist heute nicht nur in den islamischen L\u00e4ndern, sondern auch in der Diaspora zu einer gro\u00dfen Herausforderung geworden. Mit dieser sehen sich die Architektinnen und Architekten nun konfrontiert, sie m\u00fcssen in Raum und Architektur umgesetzte Neuinterpretationen tradierter Vorstellungen liefern und mit ihren Konzepten auf den Wandel in Gesellschaft und Religionsverst\u00e4ndnis reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des Islam im 7. Jahrhundert musste fu\u0308r die Anbetung einer nicht darstellbaren Gottheit eine architektonische Form gefunden werden. Die ersten (Hof-)Moscheen orientierten sich daher in Funktion und Form am Wohnhaus des Propheten in Medina. Es handelte sich um ein Geviert mit einem gro\u00dfen Hof im Zentrum pragmatischer Ra\u0308umlichkeiten, in denen nur die Gebetsrichtung durch die Kibla hervorgehoben war. Erst im Lauf des 8. Jahrhunderts erachteten die Kalifen es als notwendig, eigene Bauwerke fu\u0308r die wachsende Glaubensgemeinschaft zu errichten. In dieser Phase erwies sich die Umsetzung in Architektur als kompliziert, da den Bauherren keine geeigneten regionalen Bauformen als Vorbildgeber zur Verfu\u0308gung standen. Die Grundrisse folgten daher weiterhin der kanonischen Form der fru\u0308hen Moscheen, die Gesamtanlagen wiesen jedoch bereits komplexere geometrische Strukturen, Erweiterungen durch Sa\u0308ulenreihen sowie Ornamentierungen unter Verwendung vielfa\u0308ltiger Baumaterialien auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Schwa\u0308chung der zentralen Autorita\u0308t des Kalifats im 11. und 12. Jahrhundert verteilte sich dessen Macht auf eine Reihe neuer Staaten zwischen Nordafrika und Indien. Dieser politische Wandel rationalisierte die Architektur der Moscheen. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu diversen Synthesen islamischer und lokaler Elemente, die sich in eigensta\u0308ndigen regionalen Stilen des Moscheenbaus manifestierte. Jeder islamische Staat versuchte seine stilistische Identita\u0308t teils als Antwort auf das Klima und im Einklang mit den vor Ort zur Verfu\u0308gung stehenden Baumaterialien und den dortigen Handwerkstraditionen zu finden. Infolgedessen entstanden in den islamischen La\u0308ndern regional unterschiedliche Moscheentypen mit eigener charakteristischer Formensprache. Dazu za\u0308hlen die arabische Stu\u0308tzenmoschee, die persische Vier-Iwan Moschee, die indische Drei-Kuppel Moschee und die tu\u0308rkische Zentralkuppel Moschee, die als Symboltra\u0308ger bis heute Geltung haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Beginn des 20. Jahrhunderts sah sich die islamische Welt mit dem Vordringen der westlichen Moderne und des technischen Fortschritts konfrontiert, was damals eine grundsa\u0308tzliche Diskussion u\u0308ber islamische Bauformen, regionale Stile und \u201cinternationale Ideen\u201d auslo\u0308ste. Bezu\u0308glich der Sakralbauten wurde allerdings die Beibehaltung der bekannten visual codes und damit der tradierten Bau- und Raumkonzepte gefordert. Vor einem ideologisch besetzten Hintergrund hielt man im Wesentlichen zwar am Inszenieren der Moscheen mit Kuppeln und Minaretten weitgehend kompromisslos fest, die einzelnen islamischen Staaten folgten aber weiterhin individuell ihrem jeweils eigenen Stil. Das Ergebnis sind Moscheen, deren Architektur sich trotz der gemeinsamen baulichen Hauptmerkmale vor allem in den letzten 20 Jahren sowohl im Orient als auch im Okzident sehr heterogen weiterentwickelte. Die meisten religio\u0308sen Gemeinden wollen auch weiterhin bei ihrer eigenen sakralen Formensprache bleiben. Dies geschieht nicht zuletzt aus der Sorge heraus, dass durch die Aufnahme innovativer \u201cmoderner\u201d Einflu\u0308sse die religio\u0308se Identita\u0308t geschwa\u0308cht werden ko\u0308nnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber mu\u0308ssen die islamischen Gebetsha\u0308user denn wirklich Kuppel und Minarett aufweisen, um funktionieren und von der Glaubensgemeinschaft in der erwarteten Wu\u0308rde wahrgenommen werden zu ko\u0308nnen? Und sind Musliminnen und Muslime in der Diaspora bereit, beim Entwurf einer Moschee in ihrem nichtislamischen Gastland dessen kulturellen Grundsa\u0308tze zu beru\u0308cksichtigen? Wu\u0308rden sich Alternativen auf Form, Funktions(vielfalt) und Symbolkraft der neuen Moscheen auswirken? Wenn ja, wie? Und wu\u0308rden solche innovativen Lo\u0308sungen sogar Versta\u0308ndnis und Akzeptanz anderer Glaubens- gemeinschaften erho\u0308hen und Mo\u0308glichkeiten fu\u0308r ein vermehrtes Miteinander liefern ko\u0308nnen? Eine Auswahl von Moscheen mit diesen Potenzialen mo\u0308chte die Ausstellung \u201eTradition :: Transformation &#8211; Moscheen im Wandel\u201c vorstellen. <\/p>\n\n\n\n<p>In einem Forschung-in-der-Lehre-Projekt des Forschungsbereichs Baugeschichte und Bauforschung der TU Wien wurden Raum, Architektur und Konstruktion historischer Moscheen untersucht. Im Fokus standen aber speziell Entwicklungsgeschichte, Nutzungsvera\u0308nderungen und potenziale der neueren und neuesten Moscheen innerhalb und au\u00dferhalb der islamischen La\u0308nder sowie ihre im Wandel befindliche Bedeutung als Assoziationstra\u0308ger. Dies geschah vor dem aktuellen Hintergrund von Tradition und Transformation als Grundlage fu\u0308r eine lo\u0308sungsorientierte Auseinandersetzung mit dieser Bauaufgabe. Normative architektonische Lo\u0308sungen wurden aus der Perspektive verschiedener Disziplinen untersucht, so dass eine Auseinandersetzung nicht nur auf architekturhistorischer, sondern auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene mo\u0308glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marina Do\u0308ring-Williams &amp; Negar Hakim<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-pdfemb-pdf-embedder-viewer\"><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Programm | Vortragsreihe<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Mittwoch 20.11. 2019 | 18:30 Vernissage<br><\/strong>Marina D\u00f6ring-Williams | Begr\u00fc\u00dfung<br>Negar Hakim | Einf\u00fchrung und Er\u00f6ffnung<br><br><strong>19:00 | Vortrag: Paul B\u00f6hm<br><\/strong>\u201eIdentit\u00e4t und Pluralit\u00e4t \u2013 Perspektiven f\u00fcr die Stadt der Zukunft\u201c<br><br><strong>20:00 | Ausstellungser\u00f6ffnung mit Buffet<\/strong><br><strong><br>Donnerstag 21.11<br>18:00 Vortrag: Alen Jasarevic<br><\/strong>\u201eSichtweise\u201d<br><br><strong>19:00 Vortrag: Ernst F\u00fcrlinger<br><\/strong>\u201eStreit um \u00f6ffentliche Sichtbarkeit, die Rolle der architektonischen Form in den<br>Moscheebaukonflikten in \u00d6sterreich\u201c<br><br><strong>19:45 Diskussionsrunde<br><\/strong><br><strong>20:00 Impulsvortrag: Senad Kusur<br><\/strong>Nur Orte der religi\u00f6sen Praxis? Moscheen und ihre Funktion in einer pluralen<br>Gesellschaft<br><br><strong>20:30 Diskussionsrunde<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie haben die Sakralbauten des Islam &#8211; Geba\u0308ude, deren Name \u201cMoschee\u201d im Arabischen schlicht \u201eOrt des Niederwerfens\u201c bedeutet &#8211; auszusehen? Diese zentrale Frage stellte sich bereits bei der Etablierung der Religion, nun gewinnt sie im Zeitalter der kulturellen Globalisierung nicht nur wieder zunehmend an Bedeutung, sondern fu\u0308hrt gleichzeitig zu komplex angelegten Diskussionen. 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