Vortrag – Schulbau in Österreich. Aus der Tradition in die Zukunft

Veranstaltungsbild
  • Zeit: 14.11.2017, 11:50 bis 15.11.2017, 15:00
  • Ort: Carl Benz Arena, Mercedesstraße 73C, 70372 Stuttgart

Schulbau in Österreich. Aus der Tradition in die Zukunft – am 5. Kongress Zukunftsraum Schule, Bildungsbauten nachhaltig gestalten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie präsentiert sich auf ihrer Weltausstellung 1873 als fortschrittlichstes Bildungsland der Welt. Damit wird auch ein ehrgeiziges Schulneubau-Programm gestartet, das zu den bis heute erkennbaren Schulbauten der Habsburger-Monarchie in ihren Kronländern führt. Die in der Architekturgeschichte bisher nicht beachteten Architekten Moritz und Carl Hinträger sowie die Brüder Drexler sind in diesem Modellprogramm für zukunftsweisende Schulgebäude die treibenden Protagonisten. Auch ein sehr geschätzter Architekt des Kaiserhauses, Ludwig Baumann, führt unter Patronanz der Industriellenfamilie Krupp in Berndorf in Niederösterreich1908-09 ein ungewöhnliches Schulgebäude durch – mit Klassenzimmern, die in den kunsthistorischen Stilen der Kulturgeschichte ausgestattet werden und bis heute in Betrieb sind.

Der Beitrag Österreichs zur Internationalen Moderne am Sektor des Schulbaues erfolgt in der Zwischenkriegszeit durch die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die zuerst für das Neue Frankfurt von Ernst May, dann für die frisch gegründeten Industriestädte der Sowjetunion und später für die junge Türkei von Kemal Atatürk Schulbauten und kindgerechte Schulmöbel entwarf. In Österreich selbst kommt sie als bekennende Kommunistin nicht zum Zug. Dennoch werden auch hier avantgardistische Schulbauten durch den Orden der Schulschwestern in Auftrag gegeben. Selbst das bis heute aufregendste Schulgebäude Österreichs, das Gymnasium der Ursulinen in Innsbruck nach den Planungen von Josef Lackner, entstand unter der Führung eines Schwesternordens von 1971-79. Zehn Jahre früher hatte allerdings auch der Staat endlich eine Schulbau-Offensive ausgerufen, die in Bundesschulzentren mündete und auf Basis der Studie „Vorfertigung im Schulbau“ als modulare Betonfertigteilbauten durchgeführt wurde. Die künstlerisch-architektonischen Qualitäten dieser Programme stehen bis heute außer Zweifel, weshalb die Frage ihrer denkmalgerechten Sanierung bei Adaptierung an die zukünftigen Anforderungen des Schulbetriebs in jüngster Zeit massiv in den Vordergrund getreten ist. Aus dieser österreichischen Perspektive erscheint der Zukunftsraum Schule als logisches Weiter-Bauen aus und in der Tradition des Bestandes.

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