Leere und Fülle | Gegenwart und Zukunft der Kirchengebäude

Editorial im Magazin “kunst und kirche” Ausgabe 1+2.2025

Negar Hakim, Anna Minta, Johann Hinrich Claussen

Dieses Heft „Leere und Fülle – Gegenwart und Zukunft der Kirchengebäude“ erscheint als Doppelnummer und widmet sich einem zentralen religiösen, kulturellen und sozialen Gegenwartsthema: der Zukunft der Kirchengebäude. Ausgangspunkt ist das Manifest Kirchen sind Gemeingüter!, einer deutschen Initiative, die Kirchengebäude als kulturelles Erbe und soziale Ressource der ganzen Gesellschaft versteht. Mit dem Manifest wird ein Appell formuliert: Gesellschaft und Politik sollten gemeinsam Verantwortung übernehmen für Erhalt, Weiterentwicklung und neue Nutzungsformen von Kirchengebäuden. Hierüber ist in Deutschland viel diskutiert worden. In Europa und darüber hinaus sind nahezu alle Länder von einer vergleichbaren Leerstandsproblematik, von Transformationsdynamiken und den Herausforderungen des Erhalts des religiösen und baukulturellen Erbes betroffen.

Dieses Heft von kunst und kirche weitet den Blick. Es beleuchtet die Situation in anderen Ländern, stellt Maßnahmen im Umgang mit leer stehenden Kirchen und Klöstern vor und zeigt Initiativen auf, wie über partizipative Prozesse eine konsensuale und sozial orientierte Um-, Neu- und Nachnutzung von Sakralbauten erzielt werden kann. Es werden aber auch theologische, religionskulturelle Grundsatzfragen gestellt: Werden Sakralbauten heute tatsächlich noch als Säulen der eigenen Kultur verstanden? Welche Sehnsüchte und Sinnvermutungen verbinden Menschen heute mit ihnen? Wo gehen ihr Inhalt und Sinn verloren, weil sie nicht mehr wie bisher genutzt und gedeutet werden? Wie reagieren wir auf Leerstand und Abriss? Zugleich sollen Perspektiven aufgezeigt werden: zum einen die Leere auszuhalten, zum anderen eine Fülle von Ideen zuzulassen. In diesem Heft geht es nicht darum, besonders gelungene Einzelbeispiele aufzuführen, sondern grundsätzlich über Partizipation nachzudenken. Verstehen wir Kirchen – wie im Manifest gefordert – als „radikal öffentliche Orte“, dann muss ihre Zukunft mit allen Akteur:innen, vor allem unter Beteiligung der Menschen vor Ort, aber auch in der Gesellschaft und der Politik ausgehandelt werden. Das wäre ein Beitrag zum Dialog über ein Erbe, das uns alle angeht.

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