Solar Town Ladakh

Laufzeit: 2001-2003

Leitung: Andrea Rieger-Jandl, Erich Lehner

Team:
Andrea Rieger-Jandl, Erich Lehner, Karin Stieldorf

Kooperationspartner:
Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien
Ladakh Ecological Development Group (LEDeG), Jammu & Kashmir (Indien)


Teilfinanzierung
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Ausstellung: Landesregierung Niederösterreich, Außenministerium der Republik Österreich, Heinrich-Harrer-Museum, Haus der Architektur Kärnten

Projektbeschreibung:
Das Projekt „Solar Town“ beschäftigt sich mit Konzeptionen, Technologietransfer und Implementierungsvorschlägen für eine Solarsiedlung in Ladakh (Jammu und Kashmir, Indien). Aufgrund der Vielfalt und Diversität der aufgeworfenen Fragestellungen wurde eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Architekten, Ethnologen und Energie-Experten initiiert. Bei erfolgreicher Umsetzung sollte die Solar Town ein Vorzeigebeispiel für viele Entwicklungsprojekte werden, die sich mit der derzeit weltweit akuten Problematik der Stadterweiterung, Energie- und Umweltfragen und den damit verbundenen Veränderungsprozessen in der Bevölkerung auseinandersetzen.
Das Projekt „Nima Ling“ (Nima = Sonne, Ling = Hochebene), eine „Solar Town“ für insgesamt ca. 5000 Einwohner, sollte an einem 9 km außerhalb der ladakhischen Hauptstadt Leh gelegenen Ort verwirklicht werden. Der Bauplatz von 68,5 ha Größe besteht aus leicht abschüssigem Gletscher-Schwemmland mit südwestlicher Orientierung. Das Landstück befindet sich zwischen den Dörfern Saboo im Norden und Choglamsar im Süden. Die zukünftigen Bewohner der „Solar Town“ sollten sowohl tibetische Flüchtlinge sein, als auch Ladakhis, die von den Dörfern in die Stadt ziehen, um dort Arbeit zu suchen. Das Land wurde auf Grundlage eines vom Büro Sanjay Prakash (Delhi) erstellten Masterplans bereits parzelliert.
Das Grundkonzept der „Solar Town“ sieht den Hausbau durch die Besitzer selbst vor, so wie dies auch in den vielen der in den letzten Jahren entstandenen Housing Colonies rund um Leh geschehen ist. Nach einer ethnologischen Feldstudie vor Ort ist die Zufriedenheit der Bewohner selbstgebauter Siedlungshäuser wesentlich höher als in den von der Regierung zur Verfügung gestellten Wohnanlagen. Gewisse Vorgaben, Einschränkungen, infrastrukturelle und organisatorische Maßnahmen sollten die Lebensqualität der „Solar Town“ jedoch gegenüber herkömmlicher Siedlungen in großem Maße anheben.
Die erste und wichtigste Baumaßnahme sollte ein sogenanntes Building- and Energy Center sein, welches das Zentrum der „Solar Town“ und den zukünftigen Bewohnern nicht nur solare Maßnahmen sowie angepasste und sinnvolle Bautechniken in Form von Musterhäusern vor Augen führt, sondern auch ein Platz für Informationsaustausch, für Schulungen und Seminare, für die Ausbildung von Bauarbeitern, sowie eine Koordinationsstelle für Siedlungsvertreter und eine Vergabestelle für Förderungen und Mikrokredite sein soll. Die Qualität und Organisation dieses Building Centers wird schließlich für die erfolgreiche Umsetzung des gesamten Konzeptes verantwortlich sein. Hierbei spielen sowohl technische als auch ethnologische, soziale und ökonomische Fragestellungen eine entscheidende Rolle. Nur ein ausgewogenes Zusammenspiel aller dieser Überlegungen kann eine erfolgreiche Umsetzung von Ideen garantieren.
Anhand dieses Projektes bietet sich die lange überfällige Gelegenheit, die Disziplin der Architektur näher mit der Ethnologie zusammenzuführen. Die Zusammenarbeit anhand eines ganz konkreten Projektes sollte nicht nur ein präsentables Ergebnis liefern, sondern in weiterer Folge einen Start für zukünftige und dauerhafte Kooperationen in verschiedensten Bereichen darstellen, sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf praktischer Ebene.

Exkursion:
Vor-Ort-Analyse mit Studierenden der Studienrichtungen Architektur sowie Kultur- und Sozialanthropologie in Ladakh /Indien

Entwerfen:
Vorschläge für die Umsetzung der Siedlung wurden erarbeitet, wobei das Spektrum der Entwurfsarbeiten von der Entwicklung speziell angepasster Bautechnologien bis zur Konzeption von öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern reichte.

Ausstellungen:
Aus den im Zuge des Entwurfsprogramms im SS 2001 erarbeiteten Vorschlägen für die Umsetzung der Siedlung entstanden zwei Ausstellungen mit dem Titel „Himalayan Future: Land, Mensch, Architektur“:
2. Juli 2002 im Haus der Architektur, Klagenfurt
1. April 2003 im Regierungsviertel, St. Pölten

Ausstellungskatalog:
„Himalayan Future: Land, Mensch, Architektur“