Die Bauten der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft (DDSG)

Projektzeitraum: seit 2011
Projektleitung: Ao. Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Caroline JÄGER-KLEIN, TU-Wien, Architekturgeschichte
Projektteam: Ao. Univ. Prof. Dr. Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER, TU-Wien, Kunstgeschichte
Ao. Univ. Prof. Dr. Gerhard STADLER, TU-Wien, Industriearchäologie
Projektpartner: Österreichisches Staatsarchiv, Stadtmuseum Korneuburg, Landesmuseum Nordico Linz, Privatarchiv Otto Pacher
Projektfinanzierung Eigenprojekt
Forschungsgeleitete Lehre: Verknüpfte Lehrveranstaltungen: Wahlseminar Architekturgeschichte, Wahlseminar Kunstgeschichte, Seminar zur Architekturhistorischen Praxis, Vertiefungsseminar, Privatissimum für Diplomanden

Projektinhalt:

Die Baugeschichte der DDSG-Werft in Korneuburg:
Die 1823 gegründete Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) besorgte den regelmäßigen Waren- und Personenverkehr an der Donau bis Ende des 20. Jhts. Zum Firmenimperium zählten einige Werftanlagen, die sich mit Ausnahme der Schiffswerft in Korneuburg nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr auf österreichischem Territorium befanden. So wurde aus dem seit 1846 nachweisbaren Winter- und Reparaturhafen in einem linken Seitenarm der Donau bei Korneuburg ab dem Ersten Weltkrieg eine veritable Schiffsbauwerft, deren Baugeschichte durch mehrere Wahlseminar-Zyklen zwischen 2011 und 2013rekonstruiert werden konnte. Die Studierenden wühlten sich systematisch durch das Planmaterial und ergänzten es mit dem Wissen des Museumsvereines Korneuburg. Thomas Hennerbichler hat dann in seiner 2015 eingereichten Diplomarbeit diese Ergebnisse zusammengefasst, die einzelnen Baulichkeiten ausführlich textlich beschrieben und die bauliche Entwicklungsgeschichte anhand eines Baualtersplanes grafisch dargestellt.

Damit konnten wesentliche Forschungsfragen zur Baugeschichte der Werft endgültig geklärt werden. In der bisherigen Literatur wurden die Bauten rund um den Ersten Weltkrieg nicht Othmar Leixner zugeschrieben, sondern dem späteren Schüler, und Assistenten von Peter Behrens Alexander Popp (1891-1947). Popp war zwar schon vor dem Ersten Weltkrieg in der Bauabteilung der DDSG beschäftigt, fungierte dort aber bestenfalls als Bauleiter für einige von Leixner entworfene Objekte der DDSG. Leixner ist, durch seine Unterschrift auf dem Planmaterial bestätigt und in seinen „Entwürfe für Kleinbauten im Sinne Bodenständiger Architektur in Österreich“ 1914 veröffentlicht, zweifelsfrei für die Planung der Objekte 60, 61, 63, 64 a+b, 66, 68, 69, 83, 84 sowie der Werftkolonie (Arbeiterwohnhäuser und Direktionsvilla) verantwortlich. Alexander Popp entwirft für die DDSG einzig ihr 1927 eröffnetes Repräsentanzgebäude in Belgrad. Leixner zeichnet neben der als städtebauliches Ensemble einzigartigen Werftkolonie zudem für den Repräsentationsriegel der Werft Richtung Stadt verantwortlich. Dieser besteht aus dem dominanten Objekt 60, der Administration, dem Einfahrtsbogen und dem Portierhaus, alle stark an die von Peter Behrens geprägte Architektur der AEG erinnernd. Leixner war durch Vorträge und Publikationen nachweisbar, nachhaltig von der Industriearchitektur eines Peter Popp beeinflusst.

Im Zuge der bauhistorischen Forschungen konnten auch die frühesten Bauwerke der Werft identifiziert werden. Von 1860 bis 1900 entstehen mit Ausnahme der Objekte 5 und 26 ausschließlich Gebäude in Holzbauweise. Die Gießerei (5) sowie das Matrosenzimmer (26) sind die ersten gemauerten Bauten auf dem Werftgelände. Bedauerlicherweise stehen beide Objekte durch den Bescheid des Bundesdenkmalamtes nicht unter Denkmalschutz. Objekt 5 wurde bereits abgebrochen. Das Amt sieht aber keinerlei Veranlassung, den bestehenden Unterschutzstellungsbescheid nach diesen neueren Forschungserkenntnissen zu erweitern. Damit besteht nach wie vor die Gefahr des sukzessiven Verlustes dieses einzigartigen architektonischen Erbes der DDSG auf österreichischem Boden. Auch auf dem Hangar 100 besteht kein Denkmalschutz, trotz seiner ungewöhnlichen Geschichte als im Zuge des 2. Weltkriegsbeute von Frankreich nach Österreich transferierten, vormaligen landwirtschaftlichen Hangars. Selbst das Administrationsgebäude steht nur teilweise unter staatlichem Denkmalschutz. Es ist nur in seiner Außenhülle geschützt, enthält aber mit dem „Mallboden“, dem 1:1 Aufrissboden für die Schiffsrumpfquerschnitte, den aus schiffsbautechnischer Hinsicht wesentlichsten Raum, der noch dazu mit „Stephansbindern“, einer patentierten Holzfachwerkskonstruktion mit ganz wenigen erhaltenen Beispielen in Österreich, spektakulär stützenfrei überspannt ist.

Geplante, weitere Forschungsaktivitäten zum Thema:
Zukünftig sollten noch aus den Archivunterlagen die DDSG Anlegestelle bei der Margaretenbrücke und die DDSG-Hauptwerft in Alt-Ofen, beide in Budapest, sowie die ausgedehnten Industrieanlagen einschließlich der Arbeiterwohnhäuser der DDSG im ungarischen Pecs bearbeitet werden. Eventuell könnte auch noch die DDSG Werftanlage in Pancevo im heutigen Serbien aus diesen Archivunterlegen dokumentiert werden.

DDSG Werft Korneuburg historische Mallbodensammlung Pacher DDSG Werft Korneuburg, Foto Gerhard Stadler
DDSG Werft Korneuburg L285 1914 Arbeiterkolonie-Arbeiterwohnhaus